Albert-Schweitzer: Eine außergewöhnliche Biografie

Von Dr. Gottfried Schüz

Albert Schweitzer Biografie

Am 14. Januar 1875 im elsässischen Kaysersberg geboren, wuchs Schweitzer im ländlichen Günsbach (Nähe Colmar) auf, wo sein Vater als Pfarrer wirkte. Schon früh wurden ungewöhnliche Interessen und Fähigkeiten sichtbar, die für ihn lebensbestimmend werden sollten: Schon als Fünfjähriger begann er mit dem Klavierspiel, danach erhielt er Orgelunterricht und vertrat schon mit neun Jahren den Organisten in seiner Heimatkirche. Zudem nahm er an biblischen Geschichten lebhaft Anteil und besuchte mit Freude den sonntäglichen Gottesdienst seines Vaters. Auch zeigte sich schon früh ein ausgeprägtes Mitgefühl für seine Mitmenschen und vor allem für die leidenden Tiere.

Albert Schweitzer Biografie

Nach Schule und Abitur studierte er ab 1893 Theologie und Philosophie an der Universität Straßburg. Bald nach bestandenem theologischem Examen legte er die philosophische und zusätzlich die theologische Doktorprüfung ab. Neben dem Kirchendienst als Vikar erforschte er vor allem Leben und Lehre von Jesus und Paulus und wurde Universitätsdozent für Neues Testament. Mit seiner "Geschichte der Leben-Jesu-Forschung" legte er 1906 ein für die neutestamentliche Forschung bis heute grundlegendes Werk vor. Diesem sollten weitere bedeutende Bücher folgen: die "Geschichte der Paulinischen Forschung" und sein geradezu genial zu nennendes Werk die "Mystik des Apostels Paulus".

Albert Schweitzer Biografie

Daneben widmete er sich intensiv der Orgelmusik, vor allem dem Werk Johann Sebastian Bachs. Unter Anleitung des berühmten Pariser Orgelvirtuosen Charles Maire Widor entwickelte sich Schweitzer zu einem der großen Organisten seiner Zeit. Seine umfangreichen Bücher über Johann Sebastian Bach übertreffen in ihrer Auflagenhöhe alles, was in der Musikwissenschaft je veröffentlicht wurde. Darin erfährt Bach eine völlige Neuinterpretation als "Dichter und Maler in Musik". Daneben beschäftigte sich Schweitzer eingehend mit dem Orgelbau. Er wurde ein europaweit gefragter Experte für die Renovierung alter und den Bau neuer Orgeln.

Albert Schweitzer Biografie

Trotz glänzender Karriereaussichten als Universitätslehrer und Orgelvirtuose kündigte er seine Dozentur und unternahm ein volles Medizinstudium, um als Missionsarzt nach Afrika gehen zu können. Er löste damit einen früheren Entschluss ein, sich bis zum 30. Lebensjahr der Wissenschaft und Kunst zu widmen, um sich danach einem "rein menschlichen Dienen" zu verschreiben. 1913 siedelte er mit seiner Frau Helene nach Afrika über und baute in Lambarene ein Urwaldhospital auf, das bis heute besteht. Neben seiner schweren ärztlichen Tätigkeit im Urwald war er unermüdlich für den Ausbau des Krankenhauses im Einsatz. Ferner arbeitete er in den Abend- und Nachtstunden neben seiner umfangreichen Korrespondenz eine "Kulturphilosophie" aus, in der er seine berühmt gewordene Ethik der Ehrfurcht vor allem Leben begründete. Durch Konzert- und Vortragsreisen sammelte er in vielen Ländern Geld und Medikamente für sein Spital.

Noch als über 80-Jähriger kämpfte er mit Erfolg für die Abschaffung der Atomwaffenversuche. In seinen zahlreichen Friedensappellen ächtete er militärische Waffengewalt als Mittel der Politik, weil sie "uns der Unmenschlichkeit schuldig werden lässt". Für seine vielfältige humanitäre Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Friedensnobelpreis (1954 in Oslo). Bis in sein 90. Lebensjahr war Schweitzer im helfenden Dienst an Mensch und Kreatur aufopferungsvoll tätig. Am 4. September 1965 starb er in Lambarene, wo er auch beerdigt wurde.

100 Jahre Ehrfurcht vor dem Leben ‐ eine Initiative der Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum und Deutscher Hilfsverein für das Albert- Schweitzer-Spital in Lambarene e.V., Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit ORGANpromotion, Horb a.N.